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Kommentar: Bildungspolitik ruiniert Lehrkonzept der Grundschule Wildenbruch

Anmerkung: Dies ist eine Bestandsaufnahme Stückener Eltern zur geplanten Änderung der Schulform der Grundschule “Am Kiefernwald” in Wildenbruch von einer verlässlichen Halbtagsgrundschule in eine offene Ganztagsschule. Die Bemühungen der Elternschaft, die auf ein abweisendes Ministerium treffen, münden in einem frustrierten Fazit.

Seit 2008 ist die Grundschule “Am Kiefernwald” in Wildenbruch eine verlässliche Halbtagsgrundschule (VHG). Dieses Konzept hat z.B. den Vorteil, dass eine individuelle Lernzeit (IL) gemeinsam durch Pädagogen der integrierten Kindertagesbetreuung (IKTB) und Lehrkräfte der Schule gestaltet wird. Diese Betreuung findet bis in den frühen Nachmittag statt.

Gerade in den unteren Klassenstufen ist das ein tolles und eigentlich förderwürdiges Modell. Nicht so in Brandenburg. Aufgrund der Änderung eines Berechnungsschlüssels signalisierte die Schulleitung schon Anfang 2023, dass die verlässliche Halbtagsgrundschule in Gefahr ist und das System sich so nicht mehr aufrechterhalten lässt. Dabei spielt weniger die hohe Schülerzahl eine Rolle. Vielmehr ist es ein Problem, dass die Schulklassen zu klein sind. Dies resultiert aus den baulichen Beschränkungen der Schule, die Räume sind einfach klein.

Elterninitiative und Petition an den Bildungsminister

Schnell formierte sich eine Elterninitiative, die sogleich Unterschriften sammelte. Fast alle Eltern der Wildenbrucher Grundschulkinder unterschrieben umgehend. Ein Brief an den Brandenburger Bildungsminister Herrn Freiberg wurde mit über 300 Unterschriften im Juli 2023 verschickt. Hier wurde die Situation umrissen und der Minister gebeten, in einem Gespräch vor Ort, eine individuelle Lösung für die Grundschule zu finden.

Reaktion des Ministeriums und Schulumstellung

Wenige Wochen später stellte das Bildungsministerium in einem zweiseitigen Antwortschreiben ihre Sicht der Dinge dar. Ein Angebot für einen Ortstermin oder gar das Überdenken der Schulformänderung fehlten indes. Es kommt, wie es kommen muss: Die Schule wird ab dem Schuljahr 2024/25 in das Konzept der offenen Ganztagsschule wechseln, die verlässliche Halbtagsgrundschule ist Geschichte.

Auswirkungen des Wechsels und Kompensation

Was bedeutet dieser Schulformwechsel? Bisher wurden die Kinder – wie oben beschrieben – bis in den Nachmittag hinein gemeinsam betreut. Dies geschieht nun nicht mehr, die Schule endet gegen Mittag. Für Schüler, die eine längere Betreuung benötigen, und das werden im Grundschulalter fast alle Kinder sein, muss ein teurer Vertrag mit dem Hort abgeschlossen werden. Weiterhin verliert die Schule 36 Lehrstunden pro Woche (entspricht in etwa einer Lehrerstelle), die dann nicht mehr benötigt werden. Auf der Seite der Gemeinde Michendorf ist zu lesen, dass “… die weiterhin verfügbaren Honorarmittel … für Angebote wie Kegeln, Feuerwehr, Golf usw. beizubehalten …” sind. Ein mehr als schwacher Trost, dass die Kinder dann stattdessen Golf spielen können. Mehr Spaß, weniger Pisa. Hinzu kommt, dass diese Angebote teilweise extern organisiert und damit von den Eltern extra bezahlt werden müssen.

Fazit

Was bleibt nun? Der Bereich der schulischen Bildung in Brandenburg war in den letzten Jahren keine Erfolgsstory, die Pisa-Ergebnisse sind ernüchternd. Überall sucht man nach Gründen und hat Vermutungen. Am Beispiel der Grundschule “Am Kiefernwald” in Wildenbruch sieht man jetzt anschaulich, woran es liegt. Ein Drittel des täglichen Lehr- und Betreuungsangebotes, vor allem für die jüngsten Schüler, wird schlichtweg gestrichen. Besonders tragisch erscheint es, dass die Wünsche aller Eltern zur weiteren Gestaltung der Schule einfach ignoriert werden.

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1 Kommentar

  1. Weniger Bildungsangebot, höhere Hortkosten. Das meint wohl Scholz mit Doppelwumms. Nein, schon klar, Bildung ist Ländersache und damit Brandenburghausgemacht. Nur ist mir nicht ganz klar, warum das Konzept einer verlässlichen Halbtagsgrundschule soviel besser ist, als eine Ganztagstagsschule, wenn doch gar nicht den ganzen Tag Unterricht stattfindet. Das ist eine echte Mogelpackung. Könnte überhaupt allen “hortwilligen” Kinder ein Hortplatz in dem jetzt schon viel zu kleinen Wildenbrucher Hort angeboten werden?

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