1797 bis 1945

Hinweis: Dies ist eine Sammlung vieler Informationen, die nicht den Anspruch haben, vollständig zu sein. Wir sind bemüht, weitere historische Eckdaten zusammenzutragen und hier zu dokumentieren.

1797

  • Major Heinrich Ernst von Brucken, genannt Fock, und dessen Gattin, geborene von Glöden, erkaufen von Liepes Witwe, Luise Sophie, geb. von Britzke, die Güter in Stücken.

1801

  • Zum Dorf gehörten 47 Hufen, zum Gut 9 Hufen. Es gab 47 Feuerstellen, eine Schmiede, einen Krug und eine Wassermühle, die an das Amt Saarmund Abgaben leistete. Das Dorf hatte 292 Einwohner, davon sieben Ganzbauern, neun Ganzkossäten, einen Halbkossäten, neun Büdner, neun Einlieger und einen Förster, der 179 Morgen Holz, 660 Morgen Gemeinholz und zwölf Morgen Weinberge verwaltete. [BRATRING 1805]

1806

  • Das Kirchenbuch von Stücken vermerkt “Am 27. Oktober wurde im Hause des Kossäten Hase die am 22. Oktober geborene Tochter getauft, weil alles noch von der französischen Plünderung voller Schrecken war.”. Der 27. Oktober war ein Montag. Der Eintrag ist deshalb Bemerkenswert, weil Taufen in der Kirche und Sonntags stattfanden. Man wagte es scheinbar nicht in die Kirche zu gehen, sondern blieb aus Angst vor den französischen Truppen im Haus.

1808

  • Die französischen Truppen verlassen den Ort aber nicht das Land.

1813

  • Anfang März wird Stücken wieder von Kampfhandlungen bedroht. Die französischen Truppen werden zum Rückzug durch die vorrückenden russischen Truppen gezwungen. Noch mehrmals in diesem Jahr wird von Kampfhandlungen in der näheren Umgebung berichtet.

1821

  • Mit Datum 23. Februar ist im [ABRP 1821] folgendes zu lesen: “Der Schulze Schmidt zu Stücken im Zauch-Belzigschen Kreise hat seit einigen Jahren auf mehreren Morgen Sandacker, Fichtenschonungen mit dem besten Erfolge angelegt, und sich besonders durch Bepflanzung der Wege auf der Stückenschen Feldmark, rühmlichst ausgezeichnet. Königlich Preußische Regierung. Erste Abtheilung”

1833

  • Karl Ludwig Eichberg zu Beauregard wird als Küster und Schullehrer in Stücken angestellt. [ABRP 1833]

1837

  • Dorf und Rittergut bestehen aus 36 Wohnhäusern. [ROHRLACH 1977]

1842/43

  • Mit Datum 10. November ist im [ABRP 1842] folgendes zu lesen: “Das zum Nachlasse des verstorbenen Gerichtsschulzen Johann Kaspar Schmidt gehörige, zu Stücken im Regierungsbezirk Potsdam, im Zauch-Belzigschen Kreise belegene, und im Hypothekenbuche des adlich von Fockschen Patrimonialgerichts über Stücken sub Nr. 27 verzeichnete, auf 1396 Thlr. 11 Sgr. 8 Pf. gerichtlich abgeschätzte Bauergut, soll auf den Antrag der Erben im Wege der nothwendigen Subhastation [Zwangsversteigerung, d. Red.] verkauft werden, und ist hierzu ein Termin auf den 10. April 1843, von Vormittags 10 Uhr an, in der Gerichtsstube zu Stücken anberaumt. Der Hypothekenschein, die Tare und die besonderen Kaufbedingungen sind in unserer Registratur einzusehen. Potsdam, den 10. November 1842. von Focksches Patrimonialgericht über Stücken”

1845

  • Das [ABRP 1845] dokumentiert “Erhebliche Erweiterungen und Verbesserungen ihrer Schullokalien oder Lehrerwohnungen bewirkten, theilweise mit Beihülfe der betreffenden Kirchenpatrone oder Dominien, die Kommunen: Stücken, Superintendentur Beelitz”

1847

  • Zwei verheerende Brände zerstören einen Großteil der Häuser in Stücken. Das erste Feuer am 8. Juli brach auf dem Mühlengrundstück aus, während das zweite Feuer am 4. August 1847 vom Rittergut ausging. Neben den Wohnhäusern verbrannte die Kirche, das Pfarrhaus, das Küsterhaus und die Schule. Den Flammen zum Opfer fielen auch fast alle alten Kirchenbücher, wodurch wertvolle Quellen zur Dorfgeschichte verloren gingen. [ABRP 1848]
  • Im [ABRP 1847] werden Entschädigungsgelder benannt:
    • “Geistliche: Pred. Schliebener, Wohnort Stücken, Superintendentur Beelitz, Tag des Brandes 4. August 1847, der regelmäßige Entschädigungs-Betrag ist festgestellt auf do. 400 Tahler, es ist daher beizutragen 17 Sg, 6 Pf”
    • “Landschullehrer: Lehrer Eichberg, Wohnort Stücken, Superintendentur Beelitz, Tag des Brandes 4. August 1847, der regelmäßige Entschädigungs-Betrag ist festgestellt auf ganz 100 Tahler, es ist daher beizutragen 2 Sg”

1848

  • Stücken ist von schwerem Hagelschlag betroffen.
  • Im [ABRP 1848] ist mit Datum 25. November ein Aufruf der Königlichen Regierung, Abteilung für die Kirchenverwaltung und das Schulwesen verzeichnet, der zur Sammlung von Spendengeldern in Form von Kollekten für das Dorf Stücken aufruft:
    “Die Gemeinde Stücken, Kreis Zauch-Belzig, Regierungsbezirk Potsdam, ist im verflossenen Jahre von zwei einander im kurzen Zwischenraume folgenden Brandfällen betroffen worden, welche das ganze Dorf mit Ausnahme weniger Gehöfte in Asche gelegt und insbesondere auch die Kirche, die Pfarr-, Küster- und Schulgebäude zerstört haben.
    Es ist jetzt die Wiederherstellung der Kirche und der übrigen geistlichen und Schulgebäude im Werke, die Gemeinde Stücken, welche auch in diesem Jahre durch Hagelschlag große Verluste erlitten hat, aber außer Stande, die auf sie fallende Baukosten aufzubringen.
    Auf den dringenden Antrag der unterzeichneten Regierung, haben die Königl. hohen Ministerien des Innern und der Geistlichen und Unterrichts-Verwaltung, eine allgemeine Kirchen- und Haus-Collecte in den evangelischen Kirchen und Gemeinden bewilligt.
    Wir fordern daher … die landräthlichen Behörden und Magisträte unsers Regierungsbezirks auf, die Haus-Collecte, die Herren Superintendenten und Prediger dagegen die Kirchen-Collecte zu veranlassen, und den Ertrag an die hiesige Haupt-Instituten und Communal-Casse mittelst vollständigen Lieferungs-Zettels einzusenden. Die Magisträte senden den Ertrag der Collecte unmittelbar an die gedachte Casse ein.”
  • Im [ABRP 1848] sind auch die “zum Nieplitz-Graben-Schau-Verbande gehörigen und zu Geldbeträgen verpflichteten Interessenten” mit ihren meliorierten Flächen benannt:
    • Gemeinde Stücken, 669 Morgen
    • Rittergut Stücken, 222 Morgen
    • Rittergut Breite, 65 Morgen

1849

  • Bis 1849 galt in Stücken das Patrimonialgericht, d.h. die Grundherren übten eine eigene vom Staat unabhängige Rechtspflege, die sogenannte Grundgerichtsbarkeit aus. Von 1849 bis 1878 gehört Stücken zur Gerichtskommission Beelitz. [ROHRLACH 1977]
  • Beginn des Schulbetriebes im neu errichteten Schulgebäude. [ABRP 1849]

1858

  • Im Dorf stehen 5 öffentliche, 46 Wohn- und 85 Wirtschaftsgebäude, darunter eine Wassergetreidemühle. Zum Gut gehören 3 Wohn- und 8 Wirtschaftsgebäude. 425 Menschen leben im Dorf. Darunter sind 71 Ehepaare. [BOECKH 1861], [ROHRLACH 1977]
  • Zum Dorf gehören 2920 Morgen (20 Morgen Gehöfte, 35 Morgen Gartenland, 1487 Morgen Acker, 262 Morgen Wiese, 608 Morgen Weide, 508 Morgen Wald), zum Rittergut 1947 Morgen (4 Morgen Gehöfte, 15 Morgen Gartenland, 800 Morgen Acker, 264 Morgen Wiese 64 Morgen Weide, 800 Morgen Wald). [ROHRLACH 1977]
  • In Dorf und Gut werden 69 Pferde, 223 Rinder und 574 Schafe gehalten. Es werden 261 Thaler Grundsteuer, 306 Thaler Klassensteuer und 24 Thaler Gewerbesteuer abgeführt. [BOECKH 1861]

1860

  • Oberregierungsrat Heinrich Friedrich von Brucken, genannt Fock wird Besitzer von Rittergut und Dorf Stücken.

1872

  • Heinrich Friedrich von Brucken stirbt kinderlos. Der Gutsbesitz fällt an die baltische Linie derer von Brucken und der aus Russland stammende Baron Louis von Brucken erwirbt zusammen mit seiner Frau Anna das Gut. Die Ehe wird drei Kinder hervorbringen: Günther, Elisabeth und Lucie. Günther von Brucken übernimmt später das Gut.

1879

  • Ab 1879 erfolgt die Rechtssprechung in Stücken über das Amtsgericht Beelitz. [ROHRLACH 1977]

1880

  • Eine Kirchenbucheintragung aus dem Jahr 1880 besagte, dass vom 22. zum 23. Mai 1880 Nachtfröste die Roggensaat vernichteten und kommentiert: „… vor mehr als 100 Jahren [am 28. Januar 1778] verfügte Friedrich der Große die Aufhebung des Himmelfahrtstages. In jenem Jahr vernichteten ebenfalls Maifröste die Ernte. In den sächsischen Landesteilen (Busendorf, Klaistow und Kanin) gedieh dagegen die Ernte. Hierauf forderte die Bevölkerung den Himmelfahrtstag zurück und hielt fortan daran fest.”

1886

  • Die Dorfschmiede, die mit vielen originalen Einrichtungsgegenständen noch heute erhalten ist, wird eröffnet. Sie wird bis in die 1970er Jahre betrieben.

1900

  • Zum Dorf gehören 830 Hektar und 80 Häuser, zum Rittergut 416 Hektar Land und 10 Häuser. [ROHRLACH 1977]

1904

  • Der Radfahrerverein “Edelweiß” Stücken wird gegründet. Der Verein wird in den 1930er Jahren aufgelöst.

1905

  • [JUNG 1909] liefert für das Jahr 1905 interessante Statistiken. Im Dorf lebten 410 Einwohner. Diese hielten 82 Pferde, 373 Rinder, 328 Schweine, 41 Ziegen, 160 Schafe, 78 Gänse und 14 Enten. Auf der 1250 Hektar großen Gemarkung standen 2.456 Obstbäume. Der Grundsteuerertrag je Hektar wird für das Jahr 1885 mit 8,50 Mark für die ganze Gemarkung, 12,60 Mark für die Felder, 10 Mark für die Wiesen und 4,70 Mark für den Wald ausgewiesen.
  • “Gasthaus Ferdinand Keller” wird eröffnet.

1920

  • Der Gutsbezirk Breite wird nach Stücken eingemeindet.

1926

  • Am 13. März werden die neuen Glocken der Kirche und die ca. 50 Jahre alte Orgel geweiht.
  • Die Freiwillige Feuerwehr Stücken wird gegründet.

1928

  • Das Rittergut wird mit dem Dorf Stücken zusammengelegt.

1931

  • Zu Stücken gehören jetzt 1379 Hektar Land [ROHRLACH 1977]. In der Ortslage stehen 92 Wohnhäuser. Neben einigen wenigen Bauern lebten vor allem Büdner im Dorf. Diese verdienten sich als Maurer oder Steinsetzer ihren Lebensunterhalt in Berlin, Beelitz und Michendorf. Einige arbeiteten als Tagelöhner auf dem Rittergut.

1941

  • In Stücken werden französische Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit eingesetzt. Unter anderen auf dem Gut Stücken, in der Stellmacherei und in der Schmiede.

1942

  • Die Motormühle in der Zauchwitzer Straße 41 wird bei einem Brand zerstört. [LAND IN SICHT 1994]

1945

  • 52 Stückener Bürger verlieren durch den zweiten Weltkrieg ihr Leben. Im Onlineprojekt Gefallenendenkmäler sind die namentlich bekannten Opfer und Sterbeorte verzeichnet.
  • Aus der letzten Zeit des Bestehens des Schlosses (Gutshauses) wird berichtet, dass 1945 die Weinhandlung Hörnicke aus Berlin größere Mengen Wein (ca. 90 000 l) im Keller des Schlosses lagerte. Am 23. April nahmen russische Soldaten das Schloss ein. Am 1. Mai brannte es ab. Es wird vermutet, dass der Ofen des Schlosses überhitzt wurde. Aber auch Brandstiftung ist nicht ausgeschlossen. Die Ursache konnte nie endgültig geklärt werden.

    Das zum Gut gehörende Stallgebäude mit Pferdestall wurde als Wohnhaus mit Tischlerei und als Wohnhaus mit Fahrradreparaturwerkstatt umgebaut [LAND IN SICHT 1994].

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