Kakteen aus Leidenschaft – Familie Lederer aus Stücken

Große und kleine Kakteen, alle Formen sind dabei © K. Steinicke / K. Röbke

Anmerkung der Redaktion: Der nachfolgende Artikel von Karsten Röbke mit den Fotos von K. Steinicke und K. Röbke erschien in gedruckter Form in der Ausgabe Juni 2021 des Märkischen Bogens. Da der Artikel in wunderbarer Art und Weise zwei Stückener und ihre besondere Leidenschaft porträtiert, soll er der Stücken bloggt-Leserschaft nicht vorenthalten bleiben.

Mein kleiner grüner Kaktus … Diese Liedzeile fiel mir sofort ein, bevor ich mich auf den Weg machte zu Rosemarie und Thomas Lederer in Stücken. Denn dort erwartete mich eine Sammlung von Kakteen, die man im privaten Bereich so nicht erwarten würde. Die beiden Hobbygärtner haben sich sofort bereiterklärt mir und damit Ihnen, liebe Leser/Innen ihr Gartenreich vorzustellen. Und schon auf den ersten Blick kommt man ins Staunen, wenn man einen Blick auf den Steingarten wirft. Ca. 40 Tonnen Gestein sind hier aufgeschichtet und bilden den Lebensraum für zahlreiche Pflanzen von einheimischen bis zu alpinen Gewächsen ist vieles vertreten. Wie aber hat das alles angefangen.

Rosemarie und Thomas Lederer © K. Steinicke / K. Röbke

1986 zogen die Lederers von Potsdam nach Stücken. Die Verbindung zu den Kakteen gab es da schon, war aber noch sehr bescheiden. Erst in Stücken (hier gab es genug Platz) begann das Ganze Fahrt aufzunehmen. Und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Heute sind es etwa 1000 (Tausend) Kakteen in unzähligen Arten, Größen und Formen. Wenn man das Kakteenhaus betritt ist man schon überwältigt und kann sich zugleich vorstellen, dass es ein Hobby ist, das man nicht so nebenbei machen kann. Vom großen Exemplar, das bis zur Decke des Gewächshauses seine Dornen reckt, bis zu Kleinstexemplaren ist alles vertreten. In einem Jahr wachsen die großen Kakteen übrigens bis zu 50 cm. So ein Wachstum würde natürlich den Rahmen des Kakteenhauses sprengen. Die Lösung ist ganz einfach, sagt Thomas Lederer. Sie werden „geköpft“. Das ist für die Pflanzen kein Problem. Das abgeschnittene Teil wächst sogar wieder zu einer neuen Pflanze heran.

Die herrliche Blütenpracht der Kakteengewächse © K. Steinicke / K. Röbke

Die Geschichte der Kakteen in Deutschland ist nicht so alt, wie man vermutet. Erst in den 1920er Jahren kam die Pflanze massenhaft ins Land. Insbesondere die Familie Haage hatte daran ihren Anteil. Die meisten Exemplare kamen aus Mexiko. Der Kaktus wurde eine Modepflanze. Es gab Schlager (Comedian Harmonists) und Gedichte (so auch von Joachim Ringelnatz). Die ersten Kakteen brachte Christoph Kolumbus mit nach Europa. Eine Verbreitung gab es aber nur in König- und Fürstenhäusern. Selbst Johann Wolfgang von Goethe besaß einige Exemplare. Und auch Maler entdeckten Kakteen als Motiv. Bekannt ist hier Spitzwegs „Der Kakteensammler“. Soweit der historische Diskurs.

Die ganze Vielfalt der Kakteen auf engem Raum © K. Steinicke / K. Röbke

Die Lederers in Stücken haben viele der Exemplare in ihren Herkunftsländern gesehen. So besuchten sie schon Südafrika, Mexiko, die Türkei und Kroatien um nur einige Länder zu nennen. Thomas Lederer legt Wert darauf, dass keine Kakteen ausgeführt werden dürfen. Die Artenschutzbestimmungen sind diesbezüglich eindeutig und streng. Die Aufzucht und Vermehrung erfolgt durch Samen, die Sammler austauschen und durch zertifizierte Saatgutbetriebe.

Inzwischen haben die Tage der offenen Gärten stattgefunden an denen sich in diesem Jahr auch Rosemarie und Thomas Lederer beteiligt haben. Hoffentlich haben viele Interessierte ihre Freude am Steingarten und den Kakteen gefunden und so manchen guten Tipp mit nach Hause nehmen können. Unsere Bilder sollen einen kleinen Eindruck von diesem Gartenparadies vermittelt. Abschließend soll noch Johann Wolfgang von Goethe zu Wort kommen, der, neben vielem anderen, auch mit der Botanik was am Hut hatte. Er sagte: Das Äußere einer Pflanze ist nur die Hälfte ihrer Wirklichkeit.

Der Märkische Bogen ist eine unabhängige Zeitschrift für alle Ortsteile der Gemeinde Michendorf. Die Zeitschrift erscheint monatlich und ist in einigen Geschäften der Gemeinde im Einzelkauf erhältlich. Das Jahresabo kommt per Post und kostet lediglich 15 Euro.

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