
Hinweis vom 10. Februar 2026: Eine Stellungnahme der Gemeinde zu den Vorwürfen ist hier zu finden und darf gern auch dort kommentiert werden.
Am diesjährigen Fastnachtsumzug in Stücken nahmen noch mehr fantasievolle Kostüme, noch mehr (teils) gruselige Masken und noch mehr selbst gebaute Wagen als in den Vorjahren teil. Engagierte Blasmusiker legten sich für die gute Stimmung ins Zeug und auch die Bärengruppe war mit jugendlichem Elan voll bei der Sache. Obwohl das die besten Zutaten für ein besonders ausgelassenes und fröhliches Fastnachtsfest sein sollten, waren viele Teilnehmer genervt, aufgebracht oder gar missmutig.
Das hatte eine Person zu verantworten, die sich, gewandet in leuchtender Ordnungsamtsweste, dazu verpflichtet fühlte, endlich mal mit Paragrafen und Vorschriften dem unsäglichen anarchischen Fastnachtstreiben in Stücken Einhalt zu gebieten. Erstaunlicherweise ist sie die einzige Person weit und breit, die hier eine Veranlassung zum Handeln sieht. Aus 97 Jahren Fastnachtsgeschichte in Stücken ist nicht bekannt, dass es Anzeigen von Autofahrern gegeben hätte, die in einem einstündigen Zeitfenster ausnahmsweise einmal die Landesstraße 73 in Schrittgeschwindigkeit passieren müssen. Auch die Busfahrer und ihre Passagiere im Linienbusverkehr werden über eine zweiminütige Verzögerung hinwegsehen können. Ebenso liegen dem Heimatverein keine Unterlassungserklärungen vor, in denen die Bitte um eine Spende von den Durchfahrenden als Erpressung oder Wegezoll angeprangert wurde.
All das und noch viel mehr ist dem Ordnungsamt Michendorf und damit der Gemeinde Michendorf ein Dorn im Auge. Auf der Grundlage einer irrationalen Bedrohungslage verlangte die Vertreterin der Gemeinde ultimativ, dass das Feuerwehrfahrzeug den Abschluss des Umzuges bilden muss, um möglichen Attentätern einen Anschlag auf den Fastnachtsumzug zu erschweren. Das hatte der Stückener Ortswehrführer bereits vor Wochen aus Kapazitätsgründen abgelehnt. Der Gemeindewehrführer Michendorfs wurde bezüglich dieser Amtsanmaßung erst gar nicht einbezogen. Der Fastnachtszug wurde angehalten, die 600 Meter Landesstraße durch den Ort so schnell wie möglich zu absolvieren und die Einschränkungen für den Durchgangsverkehr so gering wie möglich zu halten. Wir erinnern uns. Beim Zempern wird von Haus zu Haus gezogen. Vor jeder Tür wird ein Lied gespielt und mit den Bewohnern getanzt und Spenden eingesammelt. Selbst für Laien sollte klar sein, dass es hierbei nicht um Geschwindigkeit gehen kann.
Nicht in Verantwortung des Ordnungsamtes, jedoch seltsam in seiner Gleichzeitigkeit zu den neuerlichen Ordnungsamtsmaßnahmen. Einmalig in der 97-jährigen Stückener Fastnachtsgeschichte fühlte sich das Veterinäramt des Landkreises Potsdam-Mittelmark berufen, den Grillstand einer Stückener Familie bzgl. der Einhaltung der Hygienevorschriften zu prüfen. Das muss man sich mal vorstellen. Privatpersonen grillen und spenden Bratwürste seit Jahren an die Dorfgemeinschaft und werden zum Dank verdächtigt, dass sie ihre Nachbarn absichtlich mit unhygienischen Speisen gefährden. Das wird auch für die Fastnachtsfreunde in all unseren Nachbardörfern eine beunruhigende Nachricht sein. In anderen Orten wird vor nahezu JEDEM Haus gegessen und getrunken. Nach Auffassung des Veterinäramtes sind das dann alles potenzielle Gesundheitsgefährdungen.
Doch auch das ist längst nicht alles, was die Stückener wütend macht. Bereits für das kommende Jahr wurde angekündigt, dass der Heimatverein ein Sicherheitskonzept für den Fastnachtsumzug erstellen muss. Außerdem soll ab dem kommenden Jahr ein Vermummungsverbot gelten. Sie haben richtig gelesen und es ist leider kein verfrühter Aprilscherz. Der Kern der Stückener Fastnacht soll verschwinden: Teilnehmer des Umzuges versuchen sich so zu maskieren und zu verkleiden, dass sie selbst von Nachbarn und Freunden nicht erkannt werden und sich erst beim Demaskieren zu erkennen geben. Jetzt soll jemand den Zug mit einer Liste begleiten und bei jeder Maske erfragen, wer unter selbiger steckt, und dies natürlich notieren. Allein das Schreiben dieser beiden Sätze lässt mich in ohnmachtsartige Heiterkeit verfallen. Und, Achtung Satire, bisher wurde noch nicht bekannt gegeben, dass es im nächsten Jahr auch ein Verbot geben wird, den verkleideten Bär an einer Kette durchs Dorf zu führen, weil dies gegen den Tierschutz verstößt.
Egal, was da noch für Maßnahmen vonseiten der Gemeinde Michendorf durchgesetzt werden sollen, eines sei an dieser Stelle garantiert: Nur Krieg und Corona verhindern Fastnachten in Stücken. Keinesfalls eine überambitionierte Ordnungsamtsmitarbeiterin der Gemeinde. Mit dieser Maßnahme hat die Gemeinde nicht nur den verantwortlichen Heimatverein und die Freiwillige Feuerwehr, sondern alle Einwohner Stückens gegen sich aufgebracht, die sich der Dorfgemeinschaft verbunden fühlen.
Und jetzt seid Ihr an der Reihe. Schreibt bitte alle in die Kommentare, wie es Euch mit den gestrigen Maßnahmen ergangen ist und was Ihr von den zukünftigen Maßnahmen haltet. Alle Kommentare, Beleidigungen und Drohungen ausgenommen, werden veröffentlicht. (Achtung! Kommentare muss ich zwingend genehmigen und schaffe es nicht immer sofort. Bitte geduldig sein, alle Beiträge werden veröffentlicht.)
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