Der Ortolan-Rundwanderweg

Anmerkung: Weite Teile dieser Streckenbeschreibung wurden mit freundlicher Genehmigung aus Ulrike Braun’s Wanderblog Ulrike Braun von wanderblues.de – Wandern im Berliner Umland (bei Instagram @wanderblues) übernommen. Ergänzt wurde die meisten Bilder und die Galerie, die Karte, sowie einige Textpassagen und Links.

Wandern im Naturpark Nuthe-Nieplitz

Findlinge mit der Aufschrift “Ortolan-Rundweg Stücken” weisen den Weg © U. Braun

Der Ort Stücken ist ein beliebter Ausflugsort im Naturpark Nuthe-Nieplitz im südlichen Berliner Umland. Durch den Ort führt der 66-Seen-Weg, ein Wanderweg der in 17 Etappen Berlin umrundet. Östlich des Ortes verläuft entlang des Saarmunder Endmoränenbogens der Europäische Fernwanderweg E10.

Für einen gemütlichen Ausflug mit einer einfachen Rundwanderung empfiehlt sich der vom Landschafts-Förderverein Nuthe-Nieplitz-Niederung e.V. angelegte, ca. 6 km lange, Ortolan-Wanderweg. Die abwechslungsreiche Rundtour in einer eiszeitlich geprägten Landschaft kann an der Bushaltestelle “Stücken, Dorf” der Buslinie 608 oder an den Parkmöglichkeiten im Ortskern bzw. an der Stückener Dorfstraße begonnen werden (siehe Informationen zur Anfahrt). Der Weg ist einfach zu bewältigen und verläuft fast ohne Steigungen und ist daher vor allem auch für Familien mit Kindern und/oder Kinderwagen geeignet.

Der Ortolan (Pierre Dalous – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Wikipedia Commons)

Wer oder was ist ein Ortolan?

Der Namensgeber dieses Weges, der Ortolan, ist ein seltener und optisch wenig spektakulärer Vogel, der zur Familie der Ammern gehört. Er bevorzugt als Lebensraum die offene, reich strukturierte Kulturlandschaft mit Waldrändern, Bäumen, Büschen und Feldhecken. In der Nuthe-Nieplitz-Niederung hat der Ortolan sein Brutrevier, in welchem er im Mai und Juni ein Bodennest an Feldrainen oder Grabenrändern baut. Ende August zieht er zum Überwintern nach Nordafrika. Das Männchen hat eine zimtbraune Unterseite, einen graugrünen Kopf, eine gelbe Kehle und gelbe Augenringe. Die Weibchen unterscheiden sich nur durch eine mattere Kopffärbung von den Männchen.

An dieser Brücke beginnt der Grüne Steig

Mühlenfließ und Skudden am Grünen Steig

Natürlich kann man den Rundweg in beliebiger Richtung angehen. Im Uhrzeigersinn ist er jedoch angenehmer zu erfahren. Beginnt man die Wanderung in der Ortslage Stücken verläuft der Fußweg zunächst entlang der Zauchwitzer Straße in die Seddiner Straße und sofort nach rechts in den Weg Am Bauernteich. Über diesen gelangt man geradewegs in den Wald zur inzwischen abgestorbenen, aber noch immer imposanten Missionseiche (auch Reformationseiche genannt) am weitgehend ausgetrockneten Bauernteich. Ein schmaler Pfad schlängelt sich durch den dichten Wald. Rechter Hand ist der Bauernteich zu erahnen und das Mühlenfließ blitzt immer mal wieder durch die Bäume. Der Weg quert das Mühlenfließ, dem seit Jahren das Wasser fehlt, über eine kleine Holzbrücke.

Im Frühjahr kann man zahlreiche Lämmer in der Skudden-Herde beobachten

An einem Rastplatz mit Tisch und Bänken kann man eine Herde ostpreußische Skuddenschafe beobachten. Sie ist eine der ältesten und kleinsten Hausschafrassen und steht auf der Roten Liste der bedrohten Nutztiere. Nach Angriffen von Wölfen auf die Herde im Oktober 2018 und neuerlichen Wolfsübergriffen auf Schafe in der Ortslage Stücken, sollen nun elektrifizierte und erhöhte Schutzzäune, sowie Herdenschutzhunde und zwei Lamas für die nötige Sicherheit der seltenen Tiere sorgen.

Eine Karte des Ortolan-Rundwanderweges am Ortsrand von Stücken mit Alternativrouten, Rastpunkten und Einkehrmöglichkeiten (Zum Vergrößern bitte anklicken)

Ein regelrechter Blütentunnel spannt sich entlang der Wildobstbaumallee auf

Eine Feldhecke als besonderes Biotop

Es folgt der „Grüne Steig“, ein idyllischer Heckenweg, der beispielhaft für den Lebensraum des Ortolans ist. Eichen, Schlehen und Wildpflaumen bilden einen grünen Tunnel. Der Wanderweg trifft nun auf den neuen Radweg von Fresdorf nach Stücken. Wer nicht den ganzen Rundweg antreten möchte, dem bietet sich hier die Möglichkeit, auf dem Radweg gemütlich zurück ins Dorf zu spazieren. Überquert man jedoch die Landesstraße 73, wandert man nun ungefähr 700 Meter an einer ausgedehnten Feldhecke aus Wildobstgehölzen entlang. Diese teilt einen großen Ackerschlag und bereichert ihn mit einem Insektenbiotop. Im Frühjahr ist dieser Abschnitt mit leuchtenden Blüten ein berauschendes Farbenmeer und mit angenehmem Duft ein sinnliches Erlebnis. Blickt man durch die Hecke nach Norden kann man mitten auf der Ackerfläche eine Baumgruppe entdecken, die der Volksmund den Namen “Der versunkende Krug” gegeben hat.

Winterkälte und Schnee verleihen den Ungeheuerwiesen einen ganz eigenen Zauber

Ungeheuerwiesen und Weinberg

An der Kreuzung mit dem Fernwanderweg E10 lädt ein Wander-Rastplatz zu einer idyllischen Pause ein. Der Ortolanweg führt nun durch den Kiefernwald am Hohen Berg, zu den feuchten Ungeheuerwiesen, die einerseits durch extensive Landwirtschaft bewirtschaftet werden und andererseits ein großes Zugvogelrastgebiet im Naturpark darstellen. Alternativ kann man je nach Sonnenstand und Windrichtung auch vor dem Kiefernwald auf dem Fernwanderweg E10 Richtung Süden weiterwandern. Am Stückener Weinberg treffen sich beide Wege wieder. Heutzutage kann man sich kaum noch vorstellen, dass am Weinberg bis 1680 noch Weinreben kultiviert wurden. Dort wo der Schwarze Weg hinter dem Weinberg auf die Straße nach Blankensee trifft, ist ebenfalls eine Rastmöglichkeit vorhanden.

Die Allee nach Stücken zeigt sich im Herbst besonders farbenprächtig

Steinkäuze und Küster’s Busch

Auf der asphaltierten Straße könnte es jetzt zurück zum Startpunkt in Stücken gehen. Doch es gibt eine weitaus attraktivere Variante. Am Fuße des Weinbergs überquert man stattdessen die Straße und läuft den nächsten Feldweg nach rechts. Wer die Augen offen hält, wird Nisthilfen für den Steinkauz entdecken: in einigen Bäumen wurden Steinkauzbrutröhren aufgehängt. Die Steinkauz-Wiederansiedlung ist ein Projekt für die biologische Vielfalt. Es ist vorgesehen im gesamten Naturpark Nuthe-Nieplitz eine stabile Population des ehemals heimischen Steinkauzes mit 150 Brutpaaren anzusiedeln.

Von der südlichen Alternativroute hat man einen wunderbaren Blick auf Stücken

Dorfkirche Stücken und beliebte Einkehrmöglichkeiten

Auf diesem Abschnitt parallel zur Straße hat man einen wunderschönen Blick auf den Ort Stücken. Hier sollte man einmal kurz innehalten und die Aussicht genießen. Durch Küster’s Busch geht es weiter bis zur nächsten Feldwegkreuzung, an der man wiederum vor eine Entscheidung gestellt wird. Nach rechts gelangt man zurück auf die Stückener Dorfstraße. Hier bieten der Fliederhof und das Landhaus “Zu Stücken” beliebte Einkehrmöglichkeiten. Auch ein Abstecher zur weithin sichtbaren Stückener Dorfkirche sollte nicht vergessen werden. Am Wochenende kann sie als offene Kirche auch von innen begutachtet werden.

Entscheidet man sich an der Weggabelung nach links zu gehen, gelangt man über die Betonstraße und den Radweg an der L73 auf die westliche Seite des Dorfes. Aufgrund des fehlenden Fußweges empfielt es sich, durch die Querstraße und die Beelitzer Straße zurück in die Ortsmitte zu laufen. Über beide Routen gelangt man nach etwas mehr als zwei Stunden wieder an seinen Ausgangspunkt zurück.

In der Galerie können Sie sich in 40 Bildern auf dem Weg entlang durch alle Jahreszeiten begeben (möglichst an einem Bildschirm ansehen).

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