Ein Treffpunkt für alle Vereine
Worum geht es bei dem Projekt genau? Die Bauarbeiten für das neue Feuerwehrgerätehaus verlaufen laut Verwaltung nach Zeitplan. Außenstehende Betrachter hatten in den vergangenen Wochen eher ein anderes Gefühl. Tatsächlich sieht man inzwischen öfter mal mehr als einen Bauarbeiter auf der Baustelle. In der letzten Woche wurden die Decken für den Sozialtrakt eingehoben und in Kürze sollen die Zimmerleute mit dem Dachstuhl beginnen. Doch schon recht früh war klar, dass die Einweihung des neuen Gebäudes ganz sicher nicht mit den Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der Stückener Feuerwehr zusammenfallen wird. Zwar ist inzwischen ein Richtfest für Anfang Juli anvisiert, mit der Fertigstellung des Gebäudes ist jedoch nicht vor Dezember diesen Jahres zu rechnen.
In der steten Hoffnung, dass zumindest dieser Zeitplan eingehalten wird, geht der Blick aktuell wieder auf die andere Straßenseite. Das alte Feuerwehrgebäude wird bald seine ursprüngliche Aufgabe verlieren und stünde für ein neues Nutzungskonzept zur Verfügung. Nachdem im März 2022 mit dem Beschluss 181/2022 die “… Errichtung eines neuen Vereinsheimes im Ortsteil Stücken” am Fußballplatz in der Seddiner Straße verworfen wurde, und damit nicht weniger als 465.000 EUR der geplanten 921.000 EUR Baukosten im Haushalt frei wurden (die andere Hälfte sollte aus Fördermitteln finanziert werden), wurde erstmals auch über eine mögliche Nutzung des alten Feuerwehrgebäudes als Mehrvereinsheim diskutiert. Doch es dauerte bis zum Februar diesen Jahres, dass die Gemeindeverwaltung die Vereine des Ortes aufforderte, ein Konzept für die Weiternutzung zu erarbeiten.
Ein Konzept für alle Belange
Binnen weniger Tage diskutierten Vertreter des Heimatvereins, des Fördervereins der Feuerwehr, der Feuerwehr, des Ortsbeirates und des Blasorchesters Stücken ein Umbau- und Nutzungskonzept für das alte Feuerwehrgebäude. Dazu muss man wissen: Sollte die Umnutzung des Gebäudes erfolgreich sein, wird das Gemeindezentrum in der Stückener Dorfstraße 17 seinen Status verlieren und nicht mehr für öffentliche Zwecke zur Verfügung stehen. Damit fallen nicht nur ein größerer und ein kleinerer Versammlungsraum weg, sondern auch das Büro des Ortsbürgermeisters, das aktuell auch als umfängliches Lager für diverse Vereinsbelange genutzt wird.
Bei den Überlegungen für das neue Mehrvereinsheim geht es also nicht nur um die Herstellung von Versammlungsmöglichkeiten. Es müssen auch Lagermöglichkeiten für Musikinstrumente des Blasorchesters, Kostüme und Veranstaltungsequipment von Heimatverein und Förderverein geschaffen werden. Zudem soll das Gebäude als Probenraum für das Blasorchester und seinen Nachwuchs, sowie die Jagdhornbläsergruppe „Stückener Heide“ dienen. Die Stückener Sportgruppe soll hier trainieren können, ebenso wird offen die Gründung eines Tischtennisvereins diskutiert. Als barrierefreies öffentliches Gebäude wäre natürlich die Nutzung als Wahllokal und (mietbares) Veranstaltungsgebäude ausdrücklich erwünscht.
Konkret soll die aktuelle Fläche der Fahrzeughalle (11 x 6 Meter = 66 Quadratmeter) vollständig als Versammlungs- und Veranstaltungsraum erhalten bleiben. Da die Fläche nicht durch Schränke oder andere Lagermöglichkeiten eingeschränkt werden soll, sieht das Konzept die Schaffung einer Zwischendecke in ca. 3,40 Meter Höhe vor (aktuelle Raumhöhe mit abgehängter Decke 4,50 Meter). Mit der zusätzlichen Ebene wäre ausreichend Lagerkapazität geschaffen. Es wird allerdings notwendig sein, den derzeitigen Dachstuhl abzunehmen und vollständig umzubauen. Die aktuell verbauten Brettbinder verhindern eine angemessene Durchgangshöhe im Spitzdach.
Weitere Umbauarbeiten betreffen hauptsächlich das Tor der Fahrzeughalle, das durch eine Glasfront mit zweiflügeliger Tür ersetzt werden soll. Auch der Fußboden muss erheblich ausgeglichen und mit einem der neuen Nutzung angemessenen Belag ausgestattet werden. Im kleineren Nebengebäude sollen die Toiletten umgebaut und leichter begehbar werden. Es wird ein zusätzlicher Lagerraum für Instrumente geschaffen und eine kleine Küchenzeile installiert. Weitere Detailplanungen sind im Konzept stichpunktartig notiert und vollständig für die Allgemeinheit einsehbar (hier als PDF).
Zweifelhafte Kostenschätzung und laufende Fördermittelanträge
Man muss jedoch nicht viel herumreden. Als nach der Übergabe des Konzeptes an die Gemeinde das zuständige Bauamt die Baukosten für den Umbau auf 825.000 EUR schätzte, herrschte nicht nur bei den Mitgliedern der Arbeitsgruppe großes Erstaunen. Die Baukosten sind in den vergangenen Jahren zwar gestiegen, es handelt sich jedoch bei dem Projekt um einen Umbau. Auch heute noch kann man sogenannte Stadtvillen mit 200 Quadratmetern Wohnfläche für schätzungsweise 800.000 EUR komplett neu errichten, wenn man den Richtwert von 4.000 EUR je Quadratmeter annimmt, der gerade erst in einem Spiegel-Artikel beziffert wurde. Wundern und anzweifeln nützt jedoch wenig. Das Konzept muss in eine qualifizierte Feinplanung überführt werden, aus der dann hoffentlich für alle Einzelposten hervorgeht, wie sich die Umbaukosten genau zusammensetzen.
Bereits jetzt laufen zwei Förderanträge beim Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung Brandenburg. Zum einen ein LEADER-Antrag, bei dem eine Förderquote von 70 % (797.300,00 € Gesamtkosten, 558.110,00 € Förderung und 239.190,00 € Eigenanteil) möglich wäre. Zum anderen ein Antrag nach GAK / ILE, der mit einer Förderquote von 75% das „Vorhaben der Dorfentwicklung“ (797.300,00 € Gesamtkosten, 597.975,00 € Förderung und 199.325,00 € Eigenanteil) unterstützen würde. Bürgermeisterin Claudia Nowka hat das Projekt bereits am 21. April 2026 beim zuständigen LEADER-Regionalmanagement, der LAG Fläming-Havel, vorgestellt. Hier wird ein Votum Ende Mai erwartet.
Für die Gemeindeverwaltung steht fest, dass das Projekt nicht ohne Fördermittel umgesetzt werden kann. Des Weiteren sollen zukünftig keine weiteren Mehrkosten durch das alte Gemeindezentrum entstehen. Auch dieser Punkt wurde im Beschluss der Gemeindevertretung bereits verankert. Demnach soll nach den Umbauarbeiten der alten Feuerwehr das Gemeindezentrum in der Stückener Dorfstraße 17 für Wohnzwecke und/oder als Bürofläche vermietet werden. Der Beschluss erlaubt der Gemeindeverwaltung nun unmittelbar die Planung zu beauftragen.
Um es an dieser Stelle noch einmal klarzustellen. Im Zeitungsartikel der MAZ vom 30. März 2026 wurde noch davon gesprochen, dass auch ein Verkauf des alten Feuerwehrgebäudes diskutiert wurde. Das Thema ist vorerst vom Tisch. Sollte der Umbau an finanziellen Belangen oder sonstigen Problemen scheitern, bleibt das Gebäude im Eigentum der Gemeinde.




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